Vergiftung durch Frostschutzmittel

Frostschutzmittel in der Scheibenwischanlage sind im Winter ein Muss. Weiss aber jeder Autofahrer wie giftig dieses ist?

In Frostschutzmitteln ist Ethylenglykol enthalten. Ein gefährliches Gift, dass schon bei Aufnahme kleiner Mengen über Kreislauf- und Nierenversagen zum Tod führen kann.

Ethylenglykol ist eine geruchlose, farblose, süsslich schmeckende Flüssigkeit, mit Wasser mischbar. Es hat eine stark gefrierpunktserniedrigende Wirkung (ein Gemisch 1:1 mit Wasser gefriert erst bei minus 40 Grad Celsius). Der Name Glykol (griechisch glykos = süss) weist auf den süsslichen Geschmack hin.

Ethylenglykol ist u.a. auch enthalten in Enteisern für Türschlösser und Flugpisten, in Bremsflüssigkeiten, in Lacken und Farben zur Verbesserung der Streichfähigkeit und auch in Kalt/Warm-Kompressen, die zur Wärme- und Kältetherapie heutzutage häufig angeboten werden. Ethylenglykol wurde auch illegal zum Süssen von Weinen angewendet.

Aufnahme des Gifts:

Im Vordergrund steht die Aufnahme durch den Magen-Darm-Trakt. Gefährlich ist das Verschütten von Frostschutzmitteln z.B. auf dem Garagenboden, da wegen des süsslichen Geschmacks die Flüssigkeit von Hunden und Katzen gerne aufgeleckt wird und nur wenige Milliliter einen oft tödlichen Verlauf nehmen können.

Auch für Kinder ist schon 1 Schluck, für Erwachsene 2 Schluck äusserst gefährlich. Verwechslungen können durch Umfüllen in Getränkeflaschen entstehen. Die letale (tödliche ) Dosis wird beim Menschen mit ca 400 mg/ kg angegeben, beim Hund mit ca 4 ml/kg. Meist sind Jungtiere betroffen.

Für die Gefährlichkeit des Ethylenglykols sind hpts. die Abbauprodukte, die im Körper entstehen verantwortlich, die über die Nieren ausgeschieden werden. Glykolaldehyd beeinflusst Herz und Lunge, Glykolsäure führt zur metabolischen Azidose (Ansäuerung des Blutes) und Oxalatkristalle schädigen die Nieren. Azidose und Nierenschädigung führen zu Kreislauf- und Nierenversagen.

Symptome :

Bereits ca 30 min nach Aufnahme beginnen Auffälligkeiten, zuerst erregend, dann narkoseähnlich, also wie bei einem Alkohlorausch, torkelnder Gang, Schläfrigkeit, bis hin zu Schock, Koma und durch die Magen-Darm- und Schleimhautreizung Erbrechen und Übelkeit.
Im Verlauf, gel. sogar erst nach einer vorübergehenden Besserung, beim Hund ca 36 – 72 h, bei der Katze ca 12 – 24 h nach Giftaufnahme, treten Symptome auf durch die entstehenden Abbauprodukte des Ethylenglykols:

Zeichen der Schädigung des Nervensystems mit Krampfanfällen, Hypothermie und die Zeichen des zunehmenden Nierenversagens mit Durst, zuerst Polyurie (vermehrter Urinproduktion), dann Oligurie (abnehmende Urin-Produktion) bis hin zur Anurie (fehlende Urinproduktion), Urämie.

Weitere Diagnostik:

Manchen Frostschutzmitteln sind fluoreszierende Substanzen zugesetzt, die mit der Wood-Lampe u.a. in Maulhöhle, Erbrochenem und Harn nach gewiesen werden können.
Chromatographischer Nachweis in Serum und Harn
Blutwerte: Anstieg von Creatinin, Kalium ,Blutzucker , Hämatokrit, metabolische Azidose, Abfall von Calcium, u.a.
Urin: Hämaturie, Proteinurie (Blut und Eiweiss-Nachweis im Urin ), Kalzium-Oxalat-Kristalle

Differential-Diagnose:

Vergiftung mit Methanol, Ethanol, Diabetes, Leptospirose, Aminoglykosidvergiftung, akute und chronische Niereninsuffizienz

Therapie:

Umso so schneller die Behandlung beginnt, umso eher ist eine Rettung des Tieres evtl. noch möglich.
Stabilisierung von Kreislauf, Atmung, symptomatische Behandlung von Azidose, Erbrechen und Krampfanfällen, Schmerzen, Hämodialyse u.s.w.
Auslösen von Erbrechen ist nur kurze Zeit nach der Giftaufnahme sinnvoll, Forcieren der Harnausscheidung, Aktivkohle bindet Glykole nicht.
Infusionen von Gegengiften (Antidot) müssen möglichst früh nach Giftaufnahme begonnen werden, um die Entstehung von Abbauprodukten zu verhindern: Ethanol (Alkohol), dadurch wird die Metabolisierung des Ethylenglykols verhindert, oder Fomepizol, mit ähnlicher Wirkung, aber weniger Nebenwirkungen.

Siehe auch:


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