Jeder Hund, unabhängig von Rasse, Alter oder körperlicher Fitness, kann apportieren. Die natürliche Veranlagung eines Hundes ist es, Beute zu machen, sie in den Fang zu nehmen und an einen Ort zu tragen, um die Beute zu fressen. An dieser natürlichen Veranlagung lehnt sich Apportieren an, wobei es hier im Schwerpunkt um den Spaß in der Zusammenarbeit mit dem Menschen geht. Dass dabei ein Retriever, der für die jagdliche Zusammenarbeit mit Menschen gezüchtet wurde, besser motivierbar ist als ein Kangal, dessen Aufgabe es ist, energiesparend Vieh zu schützen, muss im Training natürlich berücksichtigt werden. Die persönlichen Interessen, Veranlagungen, sowie körperliche und geistige Fähigkeiten spielen eine sehr große Rolle.
Apportieren – was heißt das eigentlich?
Apportiertraining ist die Jagd auf eine leblose Ersatzbeute. Der Mensch wirft einen Gegenstand und der Hund bringt ihn zurück zum Menschen. Die meisten Hundehalter verfügen nicht über einen Jagdschein, sodass Dummys, Frisbees, Bälle, Futterbeutel und alte Socken herhalten dürfen. Das praktische an dieser Form der Zusammenarbeit zwischen Mensch und Hund ist, dass man, neben guter Laune und Hund, nur einen Apportiergegenstand (ein Schlüsselbund oder die eigene Leine tun es auch!) braucht.
Eine bestimmte Übungswiese, besondere Gerätschaften oder ein Verein, sind nicht notwendig. So kann man jeden Tag aufs Neue den eigenen Hund überall, wo es Umgebung und Trainingszustand des Hundes zulassen, sinnvoll und kreativ beschäftigen. Der Hund muss sich auch nicht die Frage stellen, weshalb sich Frauchen und Herrchen einmal in der Woche tolle Beschäftigungen wie Agility einfallen lassen, den Rest der Woche „Jagdausflüge“ aber stinklangweilig sind. Ein Hund geht niemals einfach nur spazieren. Ein jagdlich passionierter Hund geht jagen, er erfreut sich nicht am Anblick der hübschen Blumen auf dem Feld. Genau daran lehnt sich das Prinzip beim Apportieren an: Wir Menschen vermitteln unseren Hunden, dass wir sehr wohl wissen, wie ein schöner Jagdausflug ausschaut. Wir Menschen bestimmen, was wir gemeinsam als nächstes jagen, wir geben den Startbefehl, wir bestimmen die Art und Weise der Jagd, wir teilen sogar bei Jagderfolg im Familienverband den erbeuteten Gegenstand auf und wir geben Bescheid, wenn die Jagd beendet ist. An einem so zuverlässigen, klar kommunizierenden Verbundsmitglied, das immer weiß, wo der nächste spannende Gegenstand liegt, der verschiedene Strategien kennt, der Freude bereitet und Orientierung bietet – an so einem Menschen orientieren sich Hunde gerne. Apportiertraining bietet dabei unzählige Varianten.
Verschiedene Rassen, verschiedene Vorlieben – nicht jeder Hund kann und will alles
Wegen ihrer genetischen Veranlagung lassen sich die meisten Jagdhunde auch für ein Apportiertraining begeistern. Am einfachsten motivierbar sind häufig die Gemeinschaftsjäger, wie Deutsch Drahthaar oder Flat Coated Retriever.
Sogenannte Solitärjäger, dazu gehören Jack Russel Terrier oder Dackel, sind eher selbständig jagende Hunde, die oft lernen müssen, dass man ohne den Menschen keinen Erfolg hat. Bei Meutejägern, wie Beagle oder Basset, muss man darauf achten, dass sie die Apportiergegenstände auch wieder abgeben ohne sie zu verteidigen.
Hütehunde, die vom Ursprung auch Jagdhunde sind, sind oft hervorragende Apportierhunde, wenn man das Training geistig sehr anspruchsvoll gestaltet und besser wenige schwierige, als viele leichte Übungen macht. Zu ihnen gehören beispielsweise Bearded Collies oder Bobtails.
Die Treibhunde, Entlebucher und Australian Cattledog gehören dazu, sind ebenfalls gute Apportierhunde, die aber besonders dringend klare Regelungen bei der Zusammenarbeit brauchen.
Whippet und Podenco gehören zu den Windhunden, die Sichthetzer sind und sich durch schnelles Jagen über kurze Strecken in atemberaubender Geschwindigkeit auszeichnen. Diese Jäger sind meistens über Gegenstände motivierbar, die man erstmal kurz hetzen muss, bevor man sie fängt und apportiert.
Bei Herdenschutzhunden wie Kangal oder Maremmano, ist Vorsicht geboten bei erwachsenen Hunden. Ein Apportiertraining darf hier selten existenziell sein. Besser lässt man sie wenige schwierige, aber gut durchführbare Übungen machen. Selten lassen sie sich mit Spielzeug motivieren, wenn überhaupt, mit Futterbeuteln. Wer im Welpenalter bei diesen Rassen apportieren fördert und mit Belohnung nicht spart, hat gute Chancen, dass der Hund sich kooperativ zeigt und mitarbeitet. Generell sollte sich aber jeder Hundehalter die Frage stellen, wozu sein Hund ursprünglich gezüchtet wurde und schauen, welche Vorlieben er überhaupt hat. Letztlich geht es schließlich darum, dem Wesen und der Art des eigenen Vierbeiners gerecht zu werden – aus einem Dressurpferd wird kein Galoppchampion und aus einem Kangal kein Apportierfreak.
Entgegen der landläufigen Meinung macht man sogenannte Nordische Hunde, Alaskan Malamute und Akita Inu sind bekannte Vertreter, nicht einzig und allein durch rennen glücklich. Vertreter dieser Rassen sind selbständige, ursprüngliche Jäger. Anders als ein Jack Russel, der beim Jagen auch einfach nur Spaß hat und nicht unbedingt die Beute fangen muss, wollen Nordische Hunde ihre Beute auch oft töten und fressen. Dass ein solcher Hund durch stupides Traben am Rad keine geistige Auslastung findet, liegt auf der Hand.
Aber auch Mops und Chihuahua, die zu den Gesellschaftshunden gehören, sind Jäger! Selbstverständlich ist die genetische Veranlagung dazu nicht so ausgeprägt wie beim Weimaraner, aber auch diese Hunde sind…Hunde.
Die Wahl des geeigneten Apportiergegenstands
Viele Hunde finden es einfach unsinnig und langweilig, einer leblosen Sache wie Frisbee, Ball oder Teddybär hinterher zu rennen. Welchen Sinn sollte auch ein ehemaliger Straßenhund darin sehen, Energie darauf zu verschwenden, einen solchen unnützen Gegenstand mit sich herum zu schleppen? Man kann ihn nicht fressen, also nicht davon leben. Sich mit diesem Ding auseinanderzusetzen macht aus Hundesicht also erstmal keinen Sinn.
Der Mensch benötigt somit einen Gegenstand, bei dem es Sinn macht, dass man ihm hinterher rennt und ihn mit sich trägt. Dazu eignen sich Futterbeutel/Futterdummys. Hier apportiert der Hund einen Stoffbeutel, der mit Futter gefüllt ist. Wenn man sich hier an die Anweisungen des Menschen hält und diese „Beute“ jagt, kann man sie fressen. Das macht Sinn!
Der erste Schritt
Es eignen sich viele Gegenstände zum Apportiertraining, z.B. ein Futterbeutel. Zunächst lässt man den Hund eine einfache Übung ausführen, die er schon beherrscht, beispielsweise „Sitz“. Als Belohnung darf er sich einen Hundekeks aus dem Beutel nehmen. Nach einigen Wiederholungen wird mit dem Beutel gespielt, indem man ihn auf dem Boden vom Hund weg zieht und ein spannendes Beutespiel daraus macht. Wichtig ist, dass man kein Zerrspiel mit dem Gegenstand macht und anfangs in einer ablenkungsfreien Umgebung übt. Wenn der Hund interessiert ist und gespannt wie ein Flitzebogen den Gegenstand beobachtet, wirft der Mensch sie weg. Der Hund, der nun hinter dem Gegenstand her rennt, ihn in den Fang nimmt und mit sich herum trägt, wir alleine hierfür schon zunächst verbal gelobt.
Der Mensch animiert den Hund jetzt, zu ihm zurück zu kommen. Reagiert der Hund und kommt zum Menschen, wird im dem Moment, in dem der Hund zum Halter läuft, das Apportierwort gesagt, beispielsweise „Bring“. So verknüpft der Hund das Tragen des Gegenstandes hin zum Menschen mit dem Wort „Bring“.
Beim Menschen angekommen, nimmt dieser den Beutel und holt einen Hundekeks zur Belohnung heraus und belohnt den Hund damit. Häufig versuchen die Hunde, mit dem Gegenstand stiften zu gehen. Hier kann eine Schleppleine helfen, die am Brustgeschirr des Hundes befestigt wird, damit der Mensch ihn zu sich kurbeln kann, wenn er abhauen will. Erst, wenn der Hund die Übung zuverlässig ausführt, also den Beutel immer bringt, wenn er geworfen wird, kann die Trainingseinheit schwieriger werden.
Existenzielles Apportiertraining
Eine Form des Apportierens ist das existenzielle Apportiertraining. Das bedeutet, dass der Hund ausschließlich über das Apportieren ernährt wird. Er bekommt also nur Futter, wenn er den Jagdanweisungen seines Menschen folgt, die (klaren) Signale richtig deutet und befolgt und ihn nicht ignoriert. Letzteres passiert am Anfang sehr häufig, viele Hunde versuchen, über Ignoranz das Verhalten des Menschen zu beeinflussen. Wenn ein Hund einen Menschen beim existenziellen Apportiertraining ignoriert, bekommt er kein Futter. Der Hund geht dann hungrig nach Hause und bekommt beim nächsten Spaziergang/Jagdausflug wieder die Chance, sich Futter über Zusammenarbeit und Kooperation mit dem Menschen zu verdienen.
Wichtig ist, dass der Hund die Übungen auch ausführen kann! Wenn er überfordert ist und deshalb nicht mit arbeitet, ist das Training falsch gewählt und muss dringend angepasst werden. Bei Welpen, die ausreichend Nährstoffe zur Entwicklung benötigen, sollte diese Trainingsform auf keinen Fall eingesetzt werden, wenn der Hund nicht mitarbeitet.
Fortgeschrittenes Apportiertraining
Hat ein Hund verstanden, was mit dem Signal „Bring“ gemeint ist, stehen Hund und Halter (je nach Veranlagung) unzählige Möglichkeiten offen. Neben der Umgebung, können auch die Gegenstände variieren. Apportieren im hohen Gras ist schwieriger, als auf gemähter Wiese. Sich zu merken, wo gleich drei oder vier Bälle hingefallen sind, ist herausfordernder als immer nur einem Ball hinterher zu fetzen.
Einen Gegenstand zu apportieren, von dem man nicht weiß, wo er legt, setzt hohe Kooperationsbereitschaft mit dem eigenen Menschen voraus. Es auszuhalten, einer Frisbee manchmal nicht hinterher zu rennen, sondern warten zu müssen, ist für viele Hunde sehr anstrengend. Die Fernbedienung vorsichtig zu bringen und das Stofftier nicht zu zerfetzen, muss auch erst gelernt werden.
Beziehung zum Menschen
Während ein Rudel Hunde jagen geht, ist es unabdingbar, dass sie sich gut verstehen. Wenn die Kommunikation im Rudel nicht funktioniert oder gestört ist, gibt es keinen Jagderfolg. Keine Beute zu machen kann lebensbedrohlich werden, deshalb kommunizieren die Hunde sehr klar miteinander und reagieren auf kleinste Feinheiten in ihrer Sprache. Hunde sprechen meist sehr leise und in feinen Nuancen miteinander. Gerüche, Mimik, Körpereinsatz und Lautäußerungen zählen zu ihrem Sprachbaukasten. Wenn der Mensch versteht, dass oft der eigene Blick in eine Richtung, das Heben der eigenen Hand oder das Vorbeugen zum eigenen Vierbeiner bereits eine Interpretation und Reaktion im Hund auslöst, dann wird es leichter, Missverständnisse und vermeintliche Unkooperation seitens des Hundes zu verstehen. Viele Hunde kapieren ihre Menschen einfach nicht – und umgekehrt.
Über gemeinsames Apportiertraining können Mensch und Hund lernen, einander besser zu verstehen. Wer die Sprache des anderen spricht kann damit beginnen, eine gute Beziehung aufbauen, zu der mehr gehört, als irgendeine Beschäftigungsform. Der Mensch muss in der Lage sein zu erkennen, was dem eigenen Hund Freude bereitet und was nicht. Nicht jeder Hund hat Spaß daran, Gegenständen hinterher zu rennen und sie zurück zu bringen. Wir dürfen unsere Hunde nicht in Formen pressen, in die sie einfach nicht hinein passen.
Viele Hundeschulen oder Vereine bieten Apportierkurse an. Wer sich im Alltag mit seinem Hund nicht sicher ist, ob und wie das Apportiertraining gestartet und verbessert werden kann, findet Rat bei einem gut ausgebildeten Hundetrainer.
Sabrina Krebs, studierte in Göttingen Sozialwissenschaften – Schwerpunkt Sozialpsychologie. Nach ihrem Examen, Aufenthalt in Australien und Arbeit mit Farmhunden, Ausbildung zum Trainer bei Martin Rütter.
Siehe auch: Apportiertraining Teil II
Fotos: ©Grande/Kosmos; ©-DJakob















hi sabrina, habe ich bereits alles versucht, ich bin seit mehr als einem jahr dran.
wenn ich es ihm ins maul gebe, nimmt er es zwar, lässt es aber sofort fallen, wenn er nicht damit losrennen und es zerfleddern darf. nur festhalten will er nicht. sobald er das gefühl bekommt, daß die lage einigermaßen ernst ist, faßt er es gar nicht mehr an.
ich bin ja schon froh, daß er wenigstens in grundstellung sitzenbleibt bis zum kommando apport und mit dem dingen zurück kommt. aber dann schmeißt er sich vor mich, lässt es los und lauert, daß ich erneut werfe.
bin verzweifelt, denn so kann ich nicht in der nächsten prüfungsklasse starten.
Hallo Linda,
ich habe Deinen erneuten Post gar nicht mitbekommen, sorry! Magst Du mir mail mailen, wo Du wohnst? Vielleicht kann ich Dir in Deiner Umgebung jemanden sagen, der Dir helfen kann. Ferndiagnosen per Tippen sind immer so vage, am liebsten schau ich mir die Thematik eigentlich immer selbst an…
Liebe Grüße
Sabrina
Hallo Linda,
Du kannst folgendes versuchen: Gib Deinem Hund einen Gegenstand, den er sehr gerne mit sich trägt, mit einem Signal in den Fang, z.B. “nimm”. Wenn er ihn ein paar Sekunden im Maul hält, lobst Du ihn. BEVOR er ihn von sich aus fallen lässt, greifst Du mit der Hand an den Gegenstand ung gibst das Signal für hergeben, z.B. “aus”. Manchmal kann es an der Dynamik liegen, lass ihn also sitzen und gib ihm den Gegenstand, ohne dass er ihn zuvor apportiert hat. Erst, wenn die Übung ohne Dynamik klappt, verlangst Du das Ausführen des “Vorsitzen und Gegenstand festhalten”. Manchmal liegt es auch am Gegenstand, teste also unterschiedliche Gegenstände.
Liebe Grüße
Sabrina
und was, wenn man ums verrecken das vorsitzen und festhalten bis zum kommando aus nicht “reinbekommt”?