Kastration

Inwieweit die Fortpflanzungshormone (Östrogen und Progesteron) für die Tumorentstehung verantwortlich sind, ist umstritten. Dies hat dazu geführt, daß bei den meisten Tierärzten die Kastration als protektive Maßnahme empfohlen und durchgeführt wird. Hierbei sollte jedoch bedacht werden, daß keinesfalls bei jeder Hündin ein Mammatumor entsteht. So ist nach derzeitigen wissenschaftlichen Veröffentlichungen wie z.B. von der Veterinärmedizinischen Universität für Geburtshilfe und Gynäkologie in Giessen davon auszugehen, daß nicht nur Geschlechtshormone für eine Tumorbildung als Ursache zu sehen sind.

So senkt eine empfohlene Kastration vor der ersten Läufigkeit das relative Risiko, daß eine Hündin einen Mammatumor entwickelt im Vergleich zur unkastrierten Hündin, auf 0,5 %. Bei einem tatsächlichen Risiko bei einer unkastrierten Hündin von 0,2 – 1,86 % vermindert die Kastration vor der ersten Läufigkeit das tatsächliche Risiko auf 0,001 – 0,0093 %. Wenn eine Kastration zwischen der ersten und zweiten Läufigkeit durchgeführt wird, liegt das tatsächliche Risiko bei 0,016 – 0,1488 %. Zwischen der zweiten und dritten Läufigkeit bei 0,052 – 0,4836 %. Nach der dritten Läufigkeit kann kein protektiver Effekt mehr errechnet werden.

Des Weiteren sollte bedacht werden, daß eine Prävention gegen Mammatumore durch die Kastration auch mögliche Folgen wie Harninkontinenz, Verhaltensänderungen, nicht vollausgebildete äußere Geschlechtsorgane, irreversible Veränderung des Fells, Hypothyreose, Veränderung des Fettstoffwechsels, Osteoporose usw. entstehen können. Deshalb sollte sich kein Hundebesitzer zu einer Kastration zur Prävention überreden lassen. Auch ist das wiederholte Auftreten einer Scheinschwangerschaft oder die Geburt von Welpen nicht als Risiko- noch als Schutzfaktor für das Entstehen von Mammatumoren anzuführen.

In diesem Zusammenhang muss auch das Tierschutzgesetz in Deutschland angeführt werden, das laut § 6 des Tierschutzgesetztes nach Absatz 5. bestimmt, daß „zur Verhinderung der unkontrollierten Fortpflanzung oder – soweit tierärztliche Bedenken nicht entgegenstehen – zur weiteren Nutzung oder Haltung des Tieres eine Unfruchtbarmachung erlaubt“. Dies bedeutet, dass eine Indikation nur dann gegeben ist, wenn Hunde frei und unkontrolliert herumlaufen und sich unkontrolliert vermehren können oder aber eine medizinische Indikation (Erkrankung) besteht!

Die Durchführung der Kastration bei einem Hund widersprach in einem Fall vor Gericht, dem § 1 des Tierschutzgesetzes, da ohne vernünftigen Grund dem Tier Schmerzen, Leiden oder Schäden nicht zugefügt werden dürfen. Liegt für das Tier zusätzlich noch ein Narkose- oder Eingriffsrisiko vor, so verbietet sich ein solcher Eingriff ohnehin. Amtsgericht Alzey, Az.: 22 C 903/95 Amtsgericht Mainz, AZ: 35 C 79/94

Hingegen hat die Ernährung auf die Entstehung von Mammatumoren einen Einfluß, dies wurde in verschiedenen Studien nachgewiesen. So wird Adipositas (Fettleibigkeit) vor dem 2. Lebensjahr als Risikofaktor für das Entstehen von Mammatumoren bei der Hündin angeführt. In diesem Zusammenhang wäre deshalb eine Tumorprävention über eine gesunde Ernährung nicht nur ohne Risiko – zur Entstehung von neuen Erkrankungen die nach der Kastration aufteten können – sondern auch wünschenswert. Auch nachdem immer mehr Hunde mittlerweile an Übergewicht leiden.

Siehe auch:

Geschlechtsorgane der Hündin;

Geschlechtsorgane des Rüden

Mammatumor

Krebserkrankungen

Quelle und weitere Information:

Geburtshilfe und Gynäkologie vetmed. Uni Giessen, geburtshilfe@vetmed.uni-giessen.de;

Kastration Hündin
http://youtu.be/6gyPvOOAkPw
http://youtu.be/XbKK2T7pkME
Kastration Rüde
http://youtu.be/ecIH4u9RN20

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